Zur aktuellen Lage

Sachsen hat ein neues Schulgesetz (mehr…) entworfen. Die Kultusministerin ist stolz auf die Kontinuität in unserem Bildungssystem. Aber Sachsen hat auch eine neue Bildungssituation. Tausende von Flüchtlingskindern wurden dieser Tage an Schulen aufgenommen, neue Vorbereitungsklassen wurden eröffnet, neue LehrerInnen eingestellt. Überall herrscht Anspannung, viele KollegInnen fragen sich, wie sie das alles schaffen sollen. Oft ist unklar, wie und vor allem wohin man die vielen neuen Kinder in die 2. Etappe teilintegrieren soll, denn die Regelklassen sind voll. Unbestritten tut man in der Sächsischen Bildungsagentur, was man kann, um das etablierte System der schulischen Integration am Leben zu erhalten. Sogar an Gymnasien gibt es jetzt Vorbereitungsklassen, die allerdings jeweils pro forma einer Oberschule ohne geeignete Räumlichkeit zugeordnet wurden. Wie sich für Kinder, die weit von einer altersgemäßen Bildung entfernt sind oder gar für erstalphabetisierte Schüler später die Teilintegration in einer gymnasialen Regelklasse anfühlen mag, wage ich mir nicht vorzustellen. Wie sich Kinder fühlen müssen, die von einem schicken Gymnasium mit reichem kulturellen Angebot dann an eine runtergekommene Oberschule in einem sozialen Brennpunkt vollintegriert werden, ebensowenig.

Es wäre schön, wenn in unserem viel gepriesenen sächsischen Bildungssystem diese Fragen auch mal diskutiert werden dürften. Ich wünsche mir ein offenes Klima, einen runden Tisch zum Thema “Schulische Integration”, an dem engagierte LehrerInnen von der Basis teilnehmen dürfen, an dem man – ohne gleich als Nestbeschmutzer zu gelten – unbequeme Fragen stellen darf, um gemeinsam Antworten zu finden. Statt dessen wird so getan, als hätte man alles im Griff und als wäre die Situation nur etwas Vorübergehendes. Gute alte Tradition in Deutschland. Aber diese Situation wird andauern. Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialwissenschaftler habe das längst vorausgesagt. In dieser Situation wünschte ich mir eher Weitsicht und mutige neue Ansätze als Kontinuität.

Übrigens: Auf der Seite Schulgesetz – Onlinebeteiligung kann man noch bis zum 7. März 2016 Anregungen, Vorschläge und Kritik übermitteln. Wir sollten das auch tun!

2 Antworten

  1. Katrin Velebil sagt:

    Das trifft genau den Kern.
    Was können wir tun?
    An erster Stelle steht für mich Gelassenheit.
    Ich kann nur so viel geben, wie ich auch Kraft habe.
    Außerdem sollte es ja auch noch ein Privatleben geben.
    Daneben versuche ich diplomatisch, aber konsequent meine fachliche Meinung gegenüber den Kollegen und der Schulleitung kundzutun und meine Interessen als DaZ-Lehrerin im Sinne meiner Schüler und meines Faches durchzusetzen.
    Sei es in der allgemeinen Stundenplanung oder bei der Verbesserung der materiellen Bedingungen.
    Das zieht Kraft und nervt mich unheimlich.
    Ich fühle mich wie in einem Entwicklungsland.
    Die Arbeitsbedingungen sind unzureichend und eigentlich beschämend für ein Land wie Deutschland.
    Theoretisch sind wir in Sachsen ganz gut aufgestellt, aber die Voraussetzungen für die Umsetzung, beispielsweise des Lehrplanes, sind nicht gegeben.
    Wir brauchen mehr Fachpersonal in DaZ, mehr Sozialarbeiter, Dolmetscher, vielleicht junge Erwachsene, die ein freiwilliges soziales Jahr bei uns machen….
    Fazit: Insistieren, wo es geht. Und das konsequent.

  2. Katrin Velebil sagt:

    Zur Novellierung des Schulgesetzes:
    Die Vorbereitungsklassen werden mit keinem Wort erwähnt!
    Zumindest die Anzahl der Schüler pro Klasse sollte auf maximal 16 festgeschrieben werden. Alles andere ist indiskutabel!

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