Wo lernen die Schüler mehr?

Szenario 1

Die 12 Schüler aus verschiedenen Ländern sitzen alle still an ihren Plätzen – jeder hat einen Tisch für sich. Die ganzen Stunden über sind sie diszipliniert und reden nur, wenn sie dran sind. Die Mitarbeit ist verhalten aber konstant. Der Unterricht ist frontal, durchdacht und sehr gut strukturiert. Die Unterrichtszeit wird optimal genutzt. Das Unterrichtsmaterial hat die Lehrerin vorbereitet. Es sieht toll aus.

Szenario 2

Die 20 Schüler verschiedenster Herkunft sitzen an Gruppentischen, immer 4 zusammen. In der Pause herrscht fröhliches Getümmel. Als es zur Stunde klingelt, dauert es ein bisschen, bis alle ihre Aufmerksamkeit auf die Lehrerin richten. Sie überschlagen sich mit ihren Redebeiträgen zum Unterrichtsthema und vergessen auch manchmal sich zu melden. Einige können der Diskussion offenbar nicht folgen und erfragen bei einem Mitschüler gleicher Herkunftssprache den Inhalt. An den Wänden hängen Lernplakate der Schüler. Nicht alle sind leserlich und schön gestaltet. Der Unterricht hat einen relativ hohen Anteil an Partner- und Gruppenarbeit. Daher sitzen auch schon mal einige untätig rum und gucken nur zu. Aber manchmal ignorieren sie auch die Pause und machen noch etwas fertig.

Preisfrage: Wo lernen die Schüler mehr und warum?

2 Antworten

  1. Beatrix Bukus sagt:

    Die Frage scheint mir vereinfachend zu sein, indem der Erfolg beider Szenarien von einer Reihe von Faktoren abhängig ist. Auf den ersten Blick fallen mir drei Faktoren ein, die eine Entscheidung für die eine oder andere Organisationsform des Unterrichtes stark beeinflussen.
    Erstens, sind die SchülerInnen, die erst seit wenigen Monaten eine deutsche Schule besuchen, mit den verschiedenen Methoden (freie Arbeit, Projektarbeit, Stationenarbeit, Arbeit in Gruppen und paarweise oder selbständig etc.) nicht unbedingt vertraut. Die “interkulturelle Kommunikation“(was auch immer diese sein mag) manifestiert sich im Klassenzimmer in einem interkulturellen Austausch über Lehr- und Lernmethoden. Oft ist den SchülerInnen der Frontalunterricht die meist vertraute Lehrmethode, was dazu führen kann, dass sie zuerst mit anderen Formen des Lehrens und Lernens gar nichts anfangen können, bzw. diese nicht ernst nehmen. Scenario 2 kann dementsprechend nur dann erfolgreich sein, wenn die TeilnehmerInnen die, für sie neue Lehr- und Lernmethoden, schon kennengelernt und einübt haben.
    In einem engen Zusammenhang mit diesem Wissen und Können sind die Erfahrungen (der teilintegrierten SchülerInnen) aus dem Regelunterricht. Laut meiner Beobachtung, je größer der Kontrast zwischen den methodischen Vorgehensweisen in den Regelstunden und in der DaZ-Stunde ist, desto schwerer fällt es den SchülerInnen sich auf die Spielregeln der jeweiligen Lehr- und Lernmethode umzustellen und diese einzuhalten. Und als dritten Faktor würde ich die aktuellen Ereignisse im Leben der Schüler oder in der Schule nennen. Abhängig davon, was passiert (z.B. eine Schlägerei in der Hofpause, schockierende Nachrichten aus dem eigenen Land, wo Krieg herrscht, rassistische Angriffe am Morgen auf dem Weg zur Schule etc.), bevorzugen die Schüler vielleicht eher einen ruhigen und klar strukturierteren Ablauf im Unterricht.

  2. Katrin Velebil sagt:

    Ich stimme dem voll und ganz zu.
    Trotzdem führe ich die Schüler an Partner- und Gruppenarbeit heran. Es dauert, bis es funktioniert und man muss als Lehrer auch klare Ansagen, den Verlauf betreffend, machen.
    Am Ende funktioniert es schon. Gut Ding will Weile haben.
    Wichtig ist doch die Entwicklung der sprachlichen Kompetenz und das geht nur durch ein Miteinander in der Kommunikation.
    Gibt es am Ende noch einen sprachlichen Austausch, hat man alles richtig gemacht.
    Keep calm.

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